Christa Jooß

Berglen
1990-2019
SPD

Christa Jooß, geb. am 9.1.1950 in Stuttgart, seit 1979 wohnhaft in der Gemeinde Berglen, sieht die Wurzeln ihres politischen und vielseitigen ehrenamtlichen Engagements in der Mitarbeit im damaligen Ev. Kreis Junger Menschen in Waiblingen von 1967-1970. Es war die Zeit der 68er, der Studentenbewegung, in der die kirchliche Jugendgruppe das Ziel hatte, mit kulturellen und gesellschaftskritischen Veranstaltungen verkrustete Strukturen in Kirche und Gesellschaft aufzubrechen. Ihre Themen schon damals waren soziale Gerechtigkeit, Stadtsanierung, die pädagogische Arbeit in den Kindergärten, mehr Chancengleichheit für Mädchen und das Eintreten für kulturelle Vielfalt. Ergebnis dieser Auseinandersetzung führte sie, nach ihrem Erstberuf als Reiseverkehrsfrau dann zum Studium der Sozialpädagogik.

1970 trat sie den Jungsozialisten in der SPD in Waiblingen bei, mit dem Ziel, sich zukünftig verstärkt politisch zu engagieren. Als Sozialpädagogin arbeitete Christa Jooß dann 35 Jahre im  Berufsbildungswerk für benachteiligte Jugendliche in Waiblingen in unterschiedlichen Arbeitsfeldern zuletzt als Leiterin von Internaten und dem Freizeithaus. Sie war aktiv engagiert in der Friedensbewegung.

Seit 1982 ist Christa Jooß im SPD-Ortsverein Berglen aktiv. Nachdem ihr Mann von 1989 bis 1999 für die SPD im Gemeinderat war entschied sich das Paar 1999 zu einem Rollentausch und damit zu ihrer Kandidatur für den Gemeinderat. Ihre beiden Kinder hatten zu dem Zeitpunkt beide die Schule abgeschlossen. Christa Jooß wird auf Anhieb für die SPD in das Gremium gewählt. Dies bestand damals aus 19 Mitgliedern, davon 15 Männer und 4 Frauen, 3 davon gehörten der fünfköpfigen SPD Fraktion an. Dem Gemeinderat gehörte sie dann bis 2019 an. Von 2014-2019 war sie Fraktionsvorsitzende und 3. Stellvertretende Bürgermeisterin.

Die Arbeit im Gemeinderat machte ihr sehr schnell deutlich, dass bei manchen Themen dicke Bretter gebohrt werden müssen und ihre Hartnäckigkeit bei manchen Themen anfangs von den männlichen Kollegen des Öfteren belächelt wurde. Sehr bald wurde ihre Mitarbeit im Gremium sehr geschätzt und sie wurde von vielen Bürgern bei Fragen und Problemen angesprochen, da sie sich im Alltag für deren Belange aktiv einsetzte.

Bereits 2005/6 wurde von ihr der weitere Ausbau der Kinderbetreuung maßgeblich mit auf den Weg gebracht. Grundlage hierfür war die Erstellung eines Qualitätshandbuch für die Kindertageseinrichtungen und die flexible, bedarfsorientiert Gestaltung des Betreuungsangebots. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen hat für sie stets hohe Priorität. In den Jahren 2004 bis 2011 musste Berglen mit einem gravierenden Rückgang der Schülerzahlen kämpfen. Frau Jooß war es ein großes Anliegen, frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen um den Schulstandort zu sichern. Sie scheute sich nicht, auch unpopuläre Themen gegenüber der Bevölkerung uneingeschränkt zu vertreten. Die Einführung des Ganztagsbetriebs an der Nachbarschaftsschule ab 2010/11 in offener Form wurde von ihr stark unterstützt mit dem Ziel den Standort zu sichern.

Nach der Jahrtausendwende musste sich Berglen leider mit dem Thema Rechtsextremismus intensiv auseinandersetzen. Frau Jooß war es ein wichtiges Anliegen, die Bevölkerung für dieses Problem zu sensibilisieren und präventiv tätig zu werden. Durch ihren Einsatz konnte im Jahre 2008 eine sehr gut besuchte Informationsveranstaltung zum Thema „Berglen schaut hin, gemeinsam GEGEN RECHTS!“ erfolgreich durchgeführt werden. Frau Jooß hat sich zudem stark für den Ausbau der Seniorenarbeit in den Berglen eingebracht. Ein von ihr maßgeblicher Verdienst war 2007 die Einführung des Angebots von „Essen auf Rädern“ für Senioren. Die Etablierung und der Ausbau der offenen Jugendarbeit, sowie der Schulsozialarbeit verfolgte sie mit großem persönlichem Einsatz. 2012 wurde dann in Berglen erstmalig die Stelle für einen Jugendreferenten geschaffen und bald darauf ein offener Jugendtreff eingerichtet.

Als Kommunalpolitikerin war ihr immer bewusst, dass es nicht gelingen kann, es allen recht zu machen. Zum Beispiel beim Stichwort Wohnbebauung und Flächenverbrauch. Den Spagat einerseits dringenden Wohnraum schaffen zu müssen und gleichzeitig die Zersiedelung der landschaftlich sehr schönen, ländlichen Gemeinde Berglen zu verhindern, war für sie eine große manchmal auch belastende Herausforderung. Mitte 2015 wurde in Berglen das Netzwerk für Flüchtlinge gegründet. An dessen Aufbau und der Koordination war Frau Jooß maßgeblich beteiligt. Bis heute ist sie im Integrationsteam der Gemeinde Berglen für die geflüchteten Menschen tätig.

Neben der politischen Arbeit im Gemeinderat ist Frau Jooß als Mitglied im Stuttgarter Segelclub seit 25 Jahren ehrenamtlich aktiv. Sie war von 1998 bis 2019 gewähltes Mitglied im Clubrat des Vereins und hatte hierbei von 2006 bis 2016 den Vorsitz inne. Ihr ehrenamtliches Engagement erstreckt sich auch auf den Naturschutzbereich. Seit 1990 ist sie Mitglied beim BUND Berglen, dessen Gründungsmitglied sie zudem ist. Die Mitarbeit erstreckt sich auf vielfältige Aktionen in der Gemeinde Berglen u.a. Pflegeeinsätze im Gehölzlehrgarten oder dem Warentauschtag. Als Mitglied der Landfrauen unterstützte sie stets vehement die Ziele der Landfrauen im Gemeinderat. Die Angebote der Landfrauen zur Weiterbildung für Mandatsträgerinnen wurden von ihr sehr geschätzt.

Die Krebserkrankung ihres Mannes 2001 bildete die Weichenstellung für ihr Engagement in der Selbsthilfe. Sie ist Mitglied in der deutschen ILCO – Selbsthilfevereinigung für Stomaträger und Menschen mit Darmkrebs. Ziel ist es, Betroffene und Angehörige zu informieren, zu beraten und zu unterstützen, ihnen Mut zu machen, dass man auch mit einem Stoma ein lebenswertes Leben führen kann. Hier ist in den vergangenen vier Jahren bei Frau Jooß das Thema „Die Rolle der Angehörigen“ in den Vordergrund getreten. Sie engagiert sich in einem bundesweiten Arbeitskreis der Deutschen ILCO zum Aufbau eines Netzwerkes für Angehörige mit Seminaren und der Bildung von Angehörigen-Gruppen.

Sorge bereitet Frau Jooß der aktuelle Wandel in unserer Gesellschaft. Es wird immer schwieriger in Vereinen oder gesellschaftlichen Gruppierungen Menschen zu finden, welche bereit sind,  kontinuierliche Aufgaben und Verpflichtungen zu übernehmen. Sei es beim Finden von Übungsleiter, Vorstandsmitglieder in den Vereinen oder Kandidaten für politische Ämter. Persönlich wünscht sich Frau Jooß insbesonders, dass noch mehr junge Frauen bereit sind, sich in der Kommunalpolitik einzubringen und die Entwicklung und die Prioritäten ihrer Gemeinde mitgestalten. Am 5. Dezember 2016 erhielt Frau Christa Jooß für das außergewöhnliche, ehrenamtliche Engagement in Berlin von Herrn Bundespräsident Joachim Gauck das Bundesverdienstkreuz verliehen. Sie hielt stellvertretend für alle 23 Geehrten die Dankesrede.


Foto: Privat


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